Glossar: Begriffe rund um Versiegelung und Imprägnierung
Versiegelung, Imprägnierung, Lotos-Effekt, hydrophob, PFAS: in der Welt der Nano-Beschichtungen schwirren viele Fachbegriffe herum. Hier erklären wir die wichtigsten verständlich, ohne Marketing-Geschwafel.
Abperleffekt
Synonym zum Lotos-Effekt. Wassertropfen rollen von einer behandelten Oberfläche ab, statt sich als Film auszubreiten oder einzuziehen. Bei Autoscheiben funktioniert der Effekt sichtbar erst ab ca. 60 km/h Fahrtwind, bei vertikalen Glasflächen schon bei Schwerkraft.
Atmungsaktiv / Diffusionsoffen
Eine Beschichtung oder Imprägnierung, die zwar Wasser von außen abhält, aber Wasserdampf von innen entweichen lässt. Wichtig bei Außenflächen wie Klinkerfassaden oder Mauerputz, weil sich sonst Feuchtigkeit hinter der Schicht staut. Auch bei Textilien wie GoreTex der entscheidende Punkt: Imprägnierung muss atmungsaktiv bleiben, sonst geht die Membran kaputt.
Ausblühungen
Weiße kristalline Schleier, die auf Klinker- oder Betonfassaden auftreten. Entstehen, wenn gelöste Salze (Sulfate, Carbonate) durch Wasser an die Oberfläche transportiert werden und dort beim Verdunsten kristallisieren. Eine gute Imprägnierung verhindert das, weil Wasser nicht mehr ins Material eindringt.
DWR (Durable Water Repellency)
Englischer Begriff für die wasserabweisende Standard-Beschichtung auf Outdoor-Bekleidung wie GoreTex-Jacken. Geht nach vielen Waschgängen verloren, du erkennst es daran, dass Wasser nicht mehr abperlt. Mit einer Textil-Imprägnierung erneuerst du die DWR-Funktion.
Hydrophob und Hydrophil
Hydrophob heißt wörtlich „Wasser-fürchtend". Eine hydrophobe Oberfläche stößt Wasser ab, Tropfen bleiben rund. Klassische Glasversiegelungen, Scheibenversiegelungen und Stein-Imprägnierungen sind hydrophob.
Hydrophil ist das Gegenteil: „Wasser-liebend". Wasser zieht sich zu einem flächigen Film. Bei photokatalytischen selbstreinigenden Glasversiegelungen erwünscht, weil der Film den zersetzten Schmutz beim Regen flächig abtransportiert.
Hydrophobierung
Fachbegriff aus dem Baugewerbe für eine Stein- oder Beton-Imprägnierung, die das Material wasserabweisend macht. Wird bei Sichtbeton, Klinker, Naturstein und Mauerputz angewendet. Verhindert Frostschäden, Ausblühungen und Verfärbungen.
Imprägnierung
Eine flüssige Schutzbehandlung, die in das Material eindringt. Die Wirkstoffe verteilen sich in den Poren des Steins oder zwischen den Fasern und machen sie hydrophob. Die Oberfläche bleibt unverändert, atmungsaktiv und sieht aus wie vorher. Geeignet für saugende Steine (Pflaster, Beton, Naturstein) und Textilien.
Kontaktwinkel
Messgröße für die Wasserabweisung einer Oberfläche. Du gibst einen Tropfen Wasser auf das Material und misst, wie stark er sich krümmt. Skala:
- 0 bis 30°: Wasser zerfließt zu Film (superhydrophil)
- 30 bis 90°: Wasser zieht ein (hydrophil)
- 90 bis 150°: Wasser perlt ab (hydrophob)
- über 150°: Tropfen kugelrund (superhydrophob, Lotos-Effekt)
Eine gute Glas-Versiegelung erreicht 100 bis 110°. Das Lotos-Blatt selbst 160°+.
Lotos-Effekt
Der Selbstreinigungs-Effekt von Lotos-Pflanzenblättern, auf denen Wassertropfen einfach abrollen und Schmutz mitnehmen. Vom deutschen Botaniker Wilhelm Barthlott in den 1970ern erforscht und 1997 patentiert. Moderne Nano-Versiegelungen nutzen denselben Effekt auf chemischem Weg. Korrekte Schreibweise immer mit O (nicht mit U), letzteres ist ein markenrechtlich geschützter Begriff einer anderen Firma.
Nano-Strukturen
Strukturen im Nanometer-Bereich (1 Nanometer = 1 Millionstel Millimeter). In modernen Versiegelungen sind das chemisch gebundene Molekülschichten, nicht freie Teilchen. Der historische Begriff mit P statt S beschreibt freie Teilchen und kann irreführend sein, wir verwenden ihn deshalb nicht.
PFAS, PFOA, PFOS, C4, C6
PFAS ist der Sammelbegriff für eine Stoffgruppe von über 4.700 verschiedenen Per- und polyfluorierten Alkylverbindungen. Sie enthalten besonders stabile Fluor-Kohlenstoff-Bindungen und werden in Imprägnierungen, Antihaftpfannen und Feuerlöschschäumen eingesetzt.
PFOA und PFOS sind die zwei berühmtesten Vertreter mit 8 Kohlenstoffatomen (langkettig). Beide reichern sich im Körper an, sind potenziell krebserregend, in der EU seit 2009 bzw. 2020 verboten.
C4 und C6 bezeichnen kurzkettige PFAS-Verbindungen mit 4 oder 6 Kohlenstoffatomen. Werden im Körper schneller ausgeschieden, akkumulieren sich nicht in Lebewesen, sind in der EU legal und gelten als „Next Generation Chemistry". Coat-Up Textil Imprägnierspray basiert auf C4/C6.
Photokatalyse
Chemischer Prozess, bei dem ein Stoff durch Lichteinwirkung andere Stoffe zersetzt, ohne sich selbst zu verbrauchen. In selbstreinigenden Glasversiegelungen wird TiO₂ (Titandioxid) verwendet, das unter UV-Licht Hydroxylradikale bildet. Diese Radikale zersetzen organischen Schmutz wie Pollen, Vogelkot oder Algen molekular in CO₂ und Wasser. Funktioniert nur mit UV-Licht und Regen, deshalb nur für bewitterte Außenflächen geeignet.
Polysilan-System
Wässriges Wirkstoff-System auf Basis von Silizium-Verbindungen, das in Stein-Imprägnierungen eingesetzt wird. Dringt tief in mineralische Poren ein, bindet chemisch an die Porenwände und macht sie hydrophob. Bleibt diffusionsoffen, daher ideal für Außenflächen wie Klinker, Beton und Naturstein. Coat-Up Steinimprägnierung basiert auf einem wässrigen Polysilan-System.
REACH
EU-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals). Hersteller müssen Sicherheitsdaten für jede verwendete Chemikalie offenlegen. Coat-Up-Produkte sind durchgehend REACH-konform.
Sd-Wert
Wasserdampf-Diffusionswiderstand einer Schicht in Metern. Je niedriger der Sd-Wert, desto atmungsaktiver. Bei Klinker- und Fassaden-Imprägnierungen sollte er unter 0,2 m liegen, damit das Mauerwerk noch atmen kann.
Silan-Sol-Gel-System
Wirkstoffsystem für Glas-Versiegelungen wie der Coat-Up Scheibenversiegelung. Silan-Moleküle binden sich chemisch an die Glasoberfläche und bilden eine ultradünne, hydrophobe Schicht. Im Unterschied zu Silikon-basierten Versiegelungen gibt es keine Schlieren oder Vergrauungen über die Zeit.
TiO₂ (Titandioxid)
Mineralisches Pigment, weit verbreitet in Sonnencreme, weißer Wandfarbe und Lebensmittelfarbstoff E171. In Nano-Größe und unter UV-Licht photokatalytisch aktiv. Wird in selbstreinigenden Glasversiegelungen eingesetzt, weil es organischen Schmutz zersetzt. In gebundener Form unbedenklich für Mensch und Umwelt.
Versiegelung
Eine Schutzbehandlung, die einen Film auf der Oberfläche bildet. Anders als die Imprägnierung dringt sie nicht ins Material ein. Geeignet für glatte, nicht-saugende Oberflächen wie Glas, Keramik, polierter Granit, Edelstahl, Lack. Eine Versiegelung auf saugendem Stein blättert nach 1 bis 3 Jahren ab und ist daher dort der falsche Produkttyp.
VOC
Volatile Organic Compounds, flüchtige organische Verbindungen. Lösungsmittel und andere Stoffe, die bei Raumtemperatur in die Luft entweichen. In modernen wasserbasierten Versiegelungen und Imprägnierungen praktisch nicht mehr enthalten. Wer „lösungsmittelfrei" liest, kauft VOC-arm.
WGK (Wassergefährdungsklasse)
Klassifizierung in Deutschland nach Gefährdungspotenzial für Gewässer:
- WGK 1: schwach wassergefährdend (z. B. Coat-Up Steinimprägnierung)
- WGK 2: deutlich wassergefährdend
- WGK 3: stark wassergefährdend
Die meisten Coat-Up Produkte sind WGK 1 oder gar nicht eingestuft.
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Weiterführende Inhalte
- Blog: Lotos-Effekt erklärt, wie Nano-Versiegelung wirklich funktioniert
- Blog: Imprägnierung vs. Versiegelung, wann was und wieso es wichtig ist
- Blog: PFAS-frei, was bedeutet das bei Imprägnierungen wirklich
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