PFAS-frei: Was bedeutet das bei Imprägnierungen wirklich?

PFAS sind in den letzten Jahren zu einem der meist-diskutierten Themen in der Chemie geworden. Manche Hersteller werben mit „PFAS-frei", andere schweigen, wieder andere verwenden Alternativen, die bald auch verboten sein könnten. Was steckt wirklich dahinter?

Was sind PFAS überhaupt?

PFAS steht für Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Es ist keine einzelne Chemikalie, sondern eine Stoffgruppe von über 4.700 verschiedenen Verbindungen.

Was sie gemeinsam haben: Fluor-Kohlenstoff-Bindungen, die zu den stabilsten chemischen Bindungen überhaupt zählen. Diese Stabilität ist der Grund für den weiten Einsatz und gleichzeitig das Problem.

PFAS werden seit den 1950ern verwendet: Antihaftbeschichtungen (Teflon), Imprägnierungen für Textilien, Lebensmittelverpackungen, Feuerlöschschäume. Weil die Bindungen so stabil sind, bauen sich PFAS in der Natur kaum ab. Sie reichern sich in Boden, Wasser und Lebewesen an, sogar im Trinkwasser und in menschlichem Blut.

Welche PFAS sind problematisch?

Die zwei berühmt-berüchtigten

PFOA (Perfluoroctansäure): 8 Kohlenstoffatome, jahrelang in Teflon-Produktion eingesetzt, reichert sich im Körper an, in Tierversuchen krebserregend. Seit 2020 in der EU verboten.

PFOS (Perfluoroctansulfonsäure): Standard-Wirkstoff in Imprägniersprays bis ca. 2010, verändert das Hormonsystem. Bereits seit 2009 in der EU stark eingeschränkt.

Aber: Nicht alle PFAS sind gleich gefährlich

Langkettige PFAS (C8 und länger)

Acht oder mehr Kohlenstoffatome. Hohe Persistenz, hohe Bioakkumulation. Hauptproblem-Gruppe, schrittweise verboten.

Kurzkettige PFAS (C4, C6)

Vier oder sechs Kohlenstoffatome. Werden im Körper schneller ausgeschieden, reichern sich weniger in Lebewesen an, bleiben aber in Wasser und Boden persistent. Die EU bewertet sie deutlich weniger kritisch.

Was Coat-Up macht: C4/C6-Imprägnierung

Bei unseren Textil-Produkten verwenden wir kurzkettige C4/C6-Fluoralkyl-Copolymere.

Warum überhaupt Fluor? Weil es keine kommerziell verfügbare fluorfreie Alternative gibt, die gleichzeitig wasser- UND ölabweisend wirkt. Wer einen Imprägnierspray sucht, der nicht nur Wasser, sondern auch Ölflecken (Pommes, Mayonnaise) abweist, kommt um Fluor-Chemie nicht herum.

Warum C4/C6 statt C8?

  • C8 (PFOA, PFOS) ist verboten
  • C4/C6 ist legal und in der Fachliteratur als „Next Generation Chemistry" bezeichnet
  • Geringere Persistenz im Körper als C8
  • Keine Bioakkumulation in Lebewesen
  • Erfüllt alle aktuellen EU-Regulierungen

Was bedeutet „PFAS-frei" auf Etiketten?

„PFAS-frei" ist kein gesetzlich geschützter Begriff. Es gibt drei Arten von Aussagen:

1. Wirklich PFAS-frei

Keine Fluor-Verbindungen. Stattdessen Wachse, Silikone, Polyacrylate oder Bio-basierte Wirkstoffe. Wirkt meist nur gegen Wasser, nicht gegen Öl, hält oft kürzer. Coat-Up: Glas-Versiegelungen, Stein-Imprägnierungen, Reiniger sind in diesem Sinne PFAS-frei.

2. „PFAS-frei im Sinne der EU-Regulierung"

Keine langkettigen PFAS, aber möglicherweise C4/C6-Verbindungen. Häufigste Definition in der Industrie. Coat-Up Cabrio-, Textil- und Wildleder-Produkte sind so formuliert.

3. „Fluorpolymer-frei" oder „PFOA-frei"

Engere Aussagen. „PFOA-frei" heißt nur: kein PFOA. Da PFOA seit 2020 verboten ist, ist das eine Selbstverständlichkeit. Wer mit „PFOA-frei" wirbt, sagt nichts über andere PFAS aus.

Wie du als Kunde echten Schutz erkennst

  1. Auf das Etikett schauen. Eine seriöse Marke deklariert ihre Wirkstoffe.
  2. Sicherheitsdatenblatt anfragen. Jede seriöse Marke schickt das SDB auf Anfrage.
  3. Hersteller-Geschichte prüfen. Marken mit langer Geschichte und mehrfachen Rezeptur-Umstellungen sind transparenter als kurzlebige Marketplace-Anbieter.
  4. Auf Zertifikate achten: Bluesign, OEKO-TEX, REACH-Konformität.

Was passiert bei der EU-Regulierung als Nächstes?

Die EU bereitet seit 2023 einen Universal-Beschränkungsvorschlag vor, der sukzessive alle PFAS regulieren soll. Voraussichtlich 2026 bis 2028 schrittweise Beschränkung von C4/C6 in bestimmten Anwendungen, mit Übergangsfristen von 5 bis 12 Jahren.

Auch C4/C6 könnten mittelfristig verboten werden. Die Industrie arbeitet bereits an fluorfreien Alternativen. NANO4YOU testet seit 2 Jahren mehrere Alternativ-Wirkstoffe und wird umstellen, sobald eine technisch gleichwertige Lösung verfügbar ist.

Coat-Up Position zur PFAS-Diskussion

Wir sind der Meinung: Transparenz ist wichtiger als Marketing.

Was wir nicht tun: „100 % PFAS-frei" auf C4/C6-Produkte schreiben (wäre nicht ganz korrekt). Langkettige C8-Verbindungen verwenden (verboten). Inhaltsstoffe verschleiern.

Was wir tun: Bei Glas-Versiegelungen, Stein-Imprägnierungen und Reinigern: 100 % fluorfrei. Bei Textil-Imprägnierungen: kurzkettige C4/C6, ehrlich deklariert. Aktive Forschung an fluorfreien Alternativen.

Fazit

„PFAS-frei" ist ein gutes Schlagwort, aber selten so eindeutig, wie es klingt. Sind langkettige PFAS (PFOA, PFOS) drin, Finger weg. Sind kurzkettige C4/C6 drin, aktuell legal und deutlich weniger bedenklich. Ist der Hersteller transparent? Wer offen deklariert, ist verlässlicher als Markt-Schreier mit „100 %"-Versprechen.

Passt dazu

  • Coat-Up Textil Imprägnierspray (PFAS-frei nach EU-Regulierung)

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